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Evelyn Bahn

Für eine Welt ohne Hunger!

Aufruf zur Bundestagswahl 2009

Entwicklungs-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen haben die Bundestagsparteien aufgerufen, sich nach der Wahl verstärkt für die Bekämpfung des Hungers einzusetzen. "Ein "šWeiter so"™ wie bisher ist keine Option", heißt es in dem Aufruf "Für eine Welt ohne Hunger" der von 19 Organisationen getragen wird.

Das Bündnis sieht mit großer Sorge, dass in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise die Zahl der Hungernden erneut ansteigen wird. Mit einer Milliarde Menschen weltweit muss für 2009 gerechnet werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Preisanstieg für Agrarrohstoffe den Hunger weltweit verschärft. Klimabedingte Ernteausfälle, der zunehmende Fleischkonsum, Spekulationen auf den Rohstoffmärkten und der Boom für Agrartreibstoffe hatten die Preisexplosion ausgelöst. Die jahrzehntelange Vernachlässigung des ländlichen Raums, die Liberalisierung des Welthandels und das Agrardumping des Nordens hatten viele Entwicklungsländer in die Abhängigkeit von Importen geführt.

Das gesellschaftlich breit aufgestellte Bündnis erwartet von der nächsten Bundesregierung konkrete Antworten auf diese unakzeptable Situation. Der Aufruf enthält 15 zentrale Forderungen zur Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung.

Hier können Sie den Aufruf downloaden:
Für eine Welt ohne Hunger!

(PDF 375 KB)

Die Antworten der Parteien haben wir für Sie in einer Analyse zusammengefasst:
Hungerbekämpfung ja, aber wie?
Vorschläge der Bundestagsparteien zur Hungerbekämpfung

(PDF 94 KB)

Die Antworten der Parteien im Einzelnen:CDU

(PDF 1,2 MB)

CSU

(PDF 72 KB)

SPD

(PDF 48 KB)

FDP

(PDF 5 MB)

Bündnis 90/Die Grünen

(PDF 123 KB)

Linke

(PDF 3,3 MB)


Unsere Forderungen:
Die künftige Bundesregierung muss...

  • dafür Sorge tragen, dass der Flächenanspruch für Futtermittel, Agrartreibstoffe und nachwachsende Rohstoffe in Drittländern nicht zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion geht.
  • darauf hinwirken, dass die EU ihre Agrarexportsubventionen sofort vollständig abbaut. Alle anderen Formen der Unterstützung ihrer Landwirtschaft  sind so zu gestalten, dass sie nicht zum Export zu Preisen unterhalb der Erzeugungskosten führen, und eine bäuerliche, ökologische und klimafreundliche Landwirtschaft in Europa gestärkt wird.
  • sich dafür einsetzen, dass den armen Ländern der Spielraum eingeräumt wird, durch den Außenschutz einschließlich spezieller Schutzmaßnahmen das Recht auf Nahrung zu schützen und zu fördern und die Existenzgrundlagen von armen Bauern zu sichern.
  • dafür eintreten, dass die EU ihrerseits ihren Marktzugang für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse so qualifiziert, dass mit der Erzeugung und dem Handel negative soziale, ökologische und regionale Auswirkungen in den Ursprungsländern wie auch in der EU vermieden werden.
  • dafür eintreten, dass spekulativen Finanzinvestitionen auf den internationalen Agrarmärkten Einhalt geboten wird.
  • sich dafür einsetzen, dass die Arbeit internationaler Organisationen und bilateraler Entwicklungszusammenarbeit an den freiwilligen Leitlinien der FAO zum Recht auf Nahrung orientiert wird. Dabei sollten auch Länder des Südens ermutigt und unterstützt werden, das Recht auf Nahrung zur Richtschnur ihrer Antworten auf den Hunger zu nehmen.
  • eine kleinbäuerliche, klima- und standortangepasste, umweltverträgliche Landwirtschaft stärker fördern. Gentechnik ist keine angemessene Alternative.
  • im Rahmen eines ambitionierten Klimaschutzabkommens in Kopenhagen vor allem armen Entwicklungsländern umfassende finanzielle Mittel für die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung stellen.
  • sich dafür einsetzen, die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit stärker in den Mittelpunkt der Bemühungen zu stellen, um der fortschreitenden Bodendegradation Einhalt zu gebieten.
  • sich dafür einsetzen, dass der Zugang von Kleinbauern, Hirten und Fischern zu Land, Wasser, lokalem Saatgut, Weide- und Fischgründen erhalten bzw. verbessert wird, und Landreformprozesse in armen Ländern aktiv unterstützt werden.
  • stärker auf das Wissen und die Lösungskapazitäten von Bauern und Bäuerinnen, Landarbeiter/innen, Frauen und Indigenen setzen. Ihre Partizipation muss auf allen Ebenen sichergestellt werden. Eine Förderung ihrer Organisierung in Gemeinschaften, Organisationen oder  Gewerkschaften ist dafür unerlässlich.
  • sich dafür einsetzen, dass Unternehmen grundlegende Arbeits- und Menschenrechte sowie Landrechte beachten, den Vertragsbauern faire Konditionen einräumen.
  • in armen Ländern soziale Sicherungssysteme fördern, damit Menschen mit mangelnden Einkommensmöglichkeiten ein Leben in Würde ermöglicht wird.
  • die internationale und nationale Agrarforschung – unsere deutsche einbezogen – darin unterstützen, ihre Forschung auf die Belange der Kleinbauern und Hirten auszurichten und sich mit ihnen in einen gemeinsamen Suchprozess nach ökologisch nachhaltigen Lösungen zu begeben.
  • für eine Stärkung und bessere Koordination der reformierten UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), des Welternährungsprogramms (WFP) und des Internationalen Fonds für Ländliche Entwicklung (IFAD) im Bereich Nahrungsmittelhilfe und Ernährungssicherung eintreten.

Unterzeichner: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL); Attac; Brot für die Welt; Buko Agrar Koordination; Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend im ländlichen Raum (BAG ejl); Demeter; Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. (EED); FIAN Deutschland e.V.; Forum Umwelt & Entwicklung; Germanwatch; INKOTA-netzwerk e.V.; Kooperation Brasilien e.V. (KoBra); Liga für Hirtenvölker und nachhaltige Viehwirtschaft; Misereor; Naturland; Oikocredit; Oxfam Deutschland; Seeds Action Network (SAN); Weltladendachverband"¨